Spurensuche anhand von Flurnamen

 


Aus alten Flurnamen kann man vieles Wissenswerte über unsere Vorfahren erfahren. Meist wurden Wälder, Äcker und Auen ganz praktisch nach ihrer Verwendungsart benannt oder aber nach ihrer Güte, was zum Beispiel einem schlechten Ackerboden den Flurnamen Hungerkamp einbrachte. Aber auch die Himmelsrichtung mit Bezug auf den Sonnenaufgang spielte häufig eine Rolle, wie am Beispiel Osterloh deutlich wird.
Einige unserer Flurnamen sind sehr alt und können so Zeugnis ablegen, von einer längst vergangenen Zeit. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass unsere, in heutigen Karten eingezeichneten Flurnamen, häufig übertragen und auch übersetzt wurden (Franzosenzeit).
Dadurch schlichen sich nicht selten Fehler und Abänderungen ein, was die Arbeit mit Flurnamen häufig zu einem Rätselraten werden lässt.
Einige, besonders für die Spurensuche, interessante Flurnamen wurden an dieser Stelle zusammengestellt, um auch in diesem Bereich der Spurensuche einen Anstoß für Interessierte zu bieten.
Die einzelnen Begriffe wurden thematisch geordnet. Ein kurzer Quellenhinweis ist am Ende der Auflistung zu finden.

Bohlenweg; [Quelle 1,S.164]

Bohlhorst

-

Helmerkamp

Baalkamp

-

Jarnsen

Baalföhrt

-

Endeholz

Bohlen

-

Bröckel

Bohldamm

-

Oldendorf

Furten; [Q.1,S.164]

Brüggedamm - Schelpse-Sandlingen
Neienbrücken - Bremer Weg bei lohe
Kleine Furth - Brockhof
Langenföhr - Oppershausen
Förthsgehege - Ahnsbeck
Düpenfürth - hinter Eversen

Wege [Q.1,S.164]

Hänigser Bodderstieg - Westercelle
Kiepenkerlsweg - Jeversen
Sölterwege - von Sülze aus [Q.1, S.165]

Heerstraßen: S.165.
Heerstrat in Hasselhorst (Bohlenausgrabungen)

tiefe Radspuren (Trannen); [Q.1,S.164]

Trannenbarg - Wietze, Bollersen, Hasselhorst
Trannbusch - Weesen
Trannloh - Diesten
Trannenwisch - Hohnhorst, Wohlenrode

"Gastfreundschaft" [Q.1, S.165]

Taternbusch - Gr.Hehlen, Schmarbeck
Jippendal - Beckedorf
Geldbusch - Wathlingen
..... hier mußten laut Erlass: "Zigeuner und anderes Gesindel" ( einfache Reisende) übernachten
Auch:
Pulverfahrer - Pulverberg in Bergen

Trift; Viehtrift; [Q.1, S.146]

Ochsendrift, Kuhtrift - GroßHehlen
Kälbertrift - Klein Hehlen
Jeverser Ochsentrift - Wietzenbruch
Die große Trift - Wieckenberg
Hornbostler Trift - Steinförde

Schweinemast (in Eichenwäldern)

Mastbruch - Wolthausen
Masthöweken - Wiedenrode
Sweensweg zum Becklinger Holz - Hasselhorst

Schafhaltung

Die Schafe auf dem Weg zur Weide bekamen in feuchtem Gebiet Dämme aufgeworfen:

Schapdamm - Oldendorf, Ohlhof, Lohe, Manhorn
Schapers Damm - Heese
Dammskamp - Scharnhorst
Ruheplatz der Schafe (Graben-Wall-Graben) =settel
Settel - Poitzen
Barkensettel - Schmarbeck
Schaperhütten - Manhorn und Ohlhof

Hirten [Q.1, S.150]

Die Hirten eines Dorfes lebten häufig gemeinsam.

Heerkothen - Gr.Eicklingen
Heerhus - Kl.Eicklingen
Heierhus - Wietze
Heergorn (Hirtengarten) - Nordburg
Bormbeck (börmen=Vieh tränken) - Scharnhorst

Bienenzucht:

Die Bienenzucht war in der Heide immer eng mit der Schnuckenzucht verknüpft, da die Schnucken die zahlreichen Spinnweben niedertreten, in denen sonnst der Großteil der Bienen verendet.

Lohmanns Immentun - Wietze
Lentzschen Immentun - Bleckmar
Schaulmesters Immentun - Lohe
Immenhege - Wittbeck
Immentuns Busch - Ohlhof

Flachsanbau, -verarbeitung: [Q. 1, S.154-155]

Der Flachsanbau und somit die Leinenherstellung war weit verbreitet in der Südheide, bis u.a. Baumwollimporte selbigen unrentabel werden ließen ;

Nach dem Entknoten kamen die Fasern in die Rottekuhle:

Flaßrieth - Bredebeck
Rottwinkel - Oppershausen
Flaßwinkel - Endeholz
Flaßsahl - Schmarbeck

Dann wurden die Stengel "geröstet":

Buraben - Manhorn, Hasselhorst, Hörsten, Lohe, Hohne
Brakhaus - Jeversen, Wietze

Wegen der Feuergefährlichkeit immer außerhalb des Dorfes.

Plaggenwirtschaft: [Q.1, S.155]

Plaggenmischkamp - Habighorst
Jechelkuhle - bei Winsen (Jichel ist ein Begriff aus dem Wendland)
Plaggenklint - Boye

- Auch der Begriff Legden steht für einen Flachsröstplatz;
- "besonders dicke Plaggenschicht bei Eldingen" [Q.2, S.27]

Lehmabbau [Q.1, S.156]

Im Feldbrand wurden die luftgetrockneten, handgeformten Ziegel gebrannt.

Teilgrund - Hörsten, Lohe
Ziegelkamp - Bostel
Lehmkuhlen
Püttgerloch - Hambühren

Wiesen: [Q.1, S.157]

"Wischen sünd de Seele von´n Burhoff!" Sprichwort der Hermannsburger Gegend.

Staukoppel - Oppershausen
Stauwische - Metzingen
Rieselwiesen - Gockenholz

Die 1538 angelegten "Neuen Wiesen" bei Meißendorf gelten als älteste Stauwiesenanlage im LK. Erste Stauanlagen sogar 1476 nachgewiesen, Teile vermutlich noch älter.

Waldwirtschaft, Hudewald, Holzungen: [Q.1;S.158]

Rest-Hudewald im Wachholderpark im Allertal
Hudriehe - Hornbostel

Wüstungen, verlassene bzw.verlegte Siedlungen: [Q.1, S.160-162]

Dat ole Dörp - Hambühren, Südwinsen [vgl.Q.2, S.23, Abbenburen 1200]
Der Teinert - ursprünglicher Dorfplatz v. Klein Hehlen
Dorflage - Langlingen
Siedlung am Bostelberg - Hornbostel
bostel-Siedlung bei - Bannetze [auch Q.2, S.23]

Grund (in allen Fällen?) waren Wanderdünen, die die Äcker verschütteten

Helmsbostel - Helmerkamp
Hohenbostelfeld - Bergen
Finebostel - kl.Eicklingen

- bostel deutet den Ursprung durch einen Einzelhof an. [Q.2]

Quellen:

1. Alpers, Paul / Barenscheer, Friedrich: Die Flurnamen des Kreises Celle. Band20.
Oldenburg 1941
2. Barenscheer, Friedrich: Siedlungskundliches aus der südlichen Lüneburger Heide.
Oldenburg 1939