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Der Landkreis informiert
08. Februar 2018
Landkreis hebt Schonzeit für Schwarzwild auf

Bestand soll wegen drohender Afrikanischer Schweinepest reduziert werden

Celle (lkc). Der Landkreis Celle hebt mit sofortiger Wirkung die Schonzeit für bestimmtes Schwarzwild auf. Hintergrund ist die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Osteuropa. Damit wächst auch die Gefahr, dass der Erreger nach Deutschland eingeschleppt wird.

Die Aufhebung der Schonzeit ist Teil des Managementplanes, den der Landkreis vorsorglich zur Reduzierung des Seucheneinschleppungsrisikos beziehungsweise zur Eindämmung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Kraft gesetzt hat. Damit soll die Wildschweinpopulation im Landkreis Celle deutlich gesenkt werden. Eine Verringerung der sehr hohen Bestandsdichte beim Schwarzwild durch eine intensivere Bejagung ist von besonderer Bedeutung. „Diese Maßnahmen dienen nicht nur der Reduzierung des Infektionsrisikos und damit der vorbeugenden Tierseuchenbekämpfung sondern auch dem Tierwohl, denn diese Tierkrankheit, wenn sie hier eingeschleppt wird, ist unheilbar und führt bei den betroffenen Schweinen zu viel Leid und überwiegend zum Tode. Impfstoffe zum Schutz vor Infektionen mit der ASP stehen uns leider nicht zur Verfügung", sagt der Leiter des Veterinäramtes des Landkreises Celle, Dr. Heiko Wessel.

Gravierende Folgen hätte ein Ausbruch der ASP für heimische Betriebe. Neben der Gefahr, dass Tiere in der Schweinemast erkranken, käme es zu einem Exportverbot von Schweinefleischprodukten. Das könnte existenzbedrohend für landwirtschaftliche Betriebe sein.

Die Schonzeit gilt normalerweise für Keiler und Bachen vom 1. Februar bis 15. Juni. Der Elterntierschutz ist zu beachten. Leitbachen sollen geschont werden. Neben der Reduzierung der Bestände wird das Wildschweinepest-Monitoring insbesondere hinsichtlich der Untersuchung von Totfunden intensiviert um möglichst frühzeitig auf einen Infektionsherd aufmerksam zu werden. „Wir fordern deshalb alle Jäger aber auch Spaziergänger auf, uns Totfunde zu melden, damit sie zum einen untersucht, zum anderen auch aus der Natur entfernt werden können, um die Gefahr einer Infektion von anderen Tieren zu senken", sagt der Amtstierarzt.

Nachdem sich die Tiersuche vor allem unter Wildschweinen in Osteuropa ausgebreitet hat und kontinuierlich westwärts voranschreitet, besteht nach seiner Einschätzung auch ein reales Risiko für die Gesundheit der hiesigen Schwarzwildpopulation. „Ein Ausbruch der ASP kann nur mit ungeheureren Anstrengungen beherrscht werden", schätzt Dr. Wessel die Lage ein.

Um den Erreger nicht in Umlauf zu bringen, sollten Spaziergänger und Autofahrer es dringend vermeiden, Essensreste und hier besonders Fleischerzeugnisse, die aus dem osteuropäischen Raum stammen, irgendwo in der Natur oder auf Parkplätzen achtlos liegen zu lassen. In der Vergangenheit wurde das Virus so entlang der Fernstraßen über große Distanzen weiter verbreitet.

Die ASP ist eine anzeigepflichtige Tierseuche, von der Haus- und Wildscheine betroffen sein können. Ursprünglich war sie, wie der Name schon sagt, auf Afrika begrenzt. 2007 wurde sie über Essensreste nach Georgien eingeschleppt und breitete sich langsam in Richtung Westeuropa aus. Im vergangenen Jahr wurde sie erstmals in Tschechien nachgewiesen. Die Krankheit wird über den direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder kontaminierten Fleisch übertragen. Die ASP verläuft bei fast allen Schweinen tödlich.