Virushepatitis B (ansteckende Leberentzündung Typ B)

Merkblatt des Gesundheitsamtes

Warum Schutzimpfung gegen Hepatitis B ?

In Deutschland stecken sich nach vorsichtigen Schätzungen jährlich etwa 50.000 Menschen mit dem Hepatitis B-Virus an. Bei etwa 10 % der Infizierten entwickelt sich eine chronische Leberentzündung, die zu einer Schrumpfleber (Zirrhose), aber auch zu Leberkrebs führen kann. Etwa 80 % der Leberkrebsfälle sind auf diese Infektionskrankheit zurückzuführen. Je jünger ein Mensch ist, desto höher ist das Risiko einer chronischen Verlaufsform. Aus diesem Grunde erkranken über 90 % aller durch die Mutter Hepatitis B-infizierten Neugeborenen chronisch, wobei ein Viertel dieser Erkrankungen zum Tode führt.


Das Krankheitsbild

Nach einer langen Inkubationszeit (das ist die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der ersten Krankheitszeichen) von etwa zwei bis sechs Monaten treten erste Symptome wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Müdigkeit Muskel- und Gelenkschmerzen auf. Neben einer meist leichten Gelbfärbung der Haut kommt es zu weiteren typischen Krankheitszeichen wie dunkler Urin, heller Stuhl, Beschwerden im Oberbauch und vergrößerter Milz. Das Tückische an der Hepatitis B ist, dass sie in 50 % aller Fälle ohne Krankheitszeichen verläuft und dennoch - unbemerkt! - in eine chronische Erkrankung übergehen kann, an deren Ende schwere Leberveränderungen mit Leberzirrhose (Schrumpfleber) oder Leberkrebs stehen können.

Eine weitere problematische Eigenschaft dieser Infektionskrankheit ist die Fähigkeit, bei den Betroffenen einen so genannten Virusträgerstatus zu hinterlassen. Diese "Träger" können - ohne äußerlich krank zu sein! - Zeit ihres Lebens andere Menschen anstecken. Experten schätzen, dass allein in Deutschland rund 250.000 Virusträger unter uns leben - davon viele, ohne von diesem Zustand der chronischen Leberentzündung zu wissen! Ansteckungsgefährdet sind Menschen in der engeren Umgebung, insbesondere Familienangehörige.

Wie bei den meisten Viruskrankheiten gibt es bisher auch gegen die Hepatitis B keine spezifische Therapie.


Übertragungswege

Die Übertragungswege sind die gleichen wie bei HIV. Das Hepatitis B-Virus ist jedoch erheblich ansteckender als das AIDS-Virus (HIV) und wird in erster Linie beim ungeschützten Geschlechtsverkehr durch virushaltige Samen- und Scheidenflüssigkeit übertragen. Es ist mittlerweile weltweit die häufigste Geschlechtskrankheit. Da der Erreger in allen Köperflüssigkeiten enthalten ist, kann er auch durch Kontakt mit Blut, Nasensekret oder Speichel, z.B. durch Kratz- oder Bisswunden, übertragen werden.

Eine wirksame Vorbeugung ist durch Schutzimpfung möglich!


Wer sollte sich impfen lassen?

Die Hepatitis B ist weltweit stark auf dem Vormarsch und wird sich auch in Deutschland immer mehr ausbreiten, wenn nicht rechtzeitig Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Durch Verhaltensmaßnahmen lässt sich der Krankheit nur bedingt vorbeugen, zumal die Hälfte der Erkrankungen ohne sichtbare Krankheitszeichen verläuft und die Mehrzahl der Virusträger unerkannt bleibt.
Seit Jahren besteht die Möglichkeit, sich wirksam durch eine gut verträgliche Schutzimpfung gegen die infektiöse Gelbsucht vom Typ B zu schützen!

Erforderlich sind drei Impfungen unter Beachtung der Mindestabstände von vier Wochen zwischen der ersten und zweiten und sechs Monaten zwischen der zweiten und dritten Impfung. Der so erworbene vollständige Impfschutz muss nach heutigem Wissen frühestens nach zehn Jahren aufgefrischt werden.

Die Hepatitis B-Impfung ist in Niedersachsen vom ersten Lebenstag an für jedermann öffentlich empfohlen, sehr gut verträglich und hat praktisch keine Nebenwirkungen. In der Regel übernehmen die Krankenkassen die Kosten für Säuglinge, Klein- und Schulkinder sowie Jugendliche bis 17 Jahre (bei Erwachsenen nur im begründeten Einzelfall!). Bitte fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach!

Für Mitarbeiter im Gesundheitswesen hat sich die Hepatitis B-Impfung bereits seit Jahren bewährt und zu einem Rückgang der berufsbedingten Infektionen geführt.
Für Menschen in besonderen Lebenssituationen ist die Impfung besonders wichtig.
Zu diesem infektionsgefährdeten Personenkreis gehören:

  • Neugeborene von Hepatitis B-positiven Müttern (in Niedersachsen jährlich ca. 150 Infektionen)
  • Familienangehörige von Virusträgern (Achtung: Vor der Impfung Test, ob Infektion nicht doch schon unbemerkt durchgemacht wurde! Das gilt auch grundsätzlich für alle Kinder nicht deutscher Herkunft z. B aus Ländern Süd-Osteuropas!)
  • Enge Kontaktpersonen zu Virusträgern in Gemeinschaftseinrichtungen wie Behinderten- und Pflegeeinrichtungen (weniger in "normalen" Kindergärten, Kinderheimen, Schulklassen, Spiel- und Sportgemeinschaften u.a.)
  • Jugendlichen und (junge) Erwachsene im sexuell aktiven Alter (bes. bei wechselnden Partnern!)
  • Reisende in Hepatitis B-Risikogebiete Süd- und Osteuropas sowie in die Tropen bei zu erwartenden engen, insbesondere Intimkontakten zur einheimischen Bevölkerung. Hinzu kommen hier noch Infektionsrisiken bei erforderlichen medizinischen Behandlungen (Spritzen, Bluttransfusion o.ä.).

Das weitergehende gesundheitspolitische Ziel besteht darin, in naher Zukunft eine ausreichende Durchimpfung der Gesamtbevölkerung zu erreichen. Jeder Impfwillige wird daher ausdrücklich ermutigt, sich gegen die infektiöse Gelbsucht vom Typ B impfen zu lassen. Dies gilt insbesondere für alle Sorgeberechtigten, die ihre Kinder in deren wohlverstandenem Interesse impfen lassen sollten. Jede Impfung trägt dazu bei, den kollektiven Schutz der Gemeinschaft zu erhöhen und mindert damit das Ausbreitungsrisiko dieser gefürchteten Infektionskrankheit, die immerhin global zwei Milliarden Menschen befällt und jährlich zwei Millionen Opfer fordert.
Denken Sie daran: Der Impfschutz ist gleichzeitig auch der wirksamste Schutz gegen das Leberkrebsrisiko.

Also: Impfen nützt - Impfung schützt!

Fragen Sie Ihren Haus- und/oder Kinderarzt! (auch Betriebsärzte geben Auskunft)

Fachinformationen für Ärzte sind u. a. auch abrufbar unter:

www.rki.de