Merkblatt für Jagdausübungsberechtigte

 

Fleischhygienerechtliche Untersuchungspflicht bei erlegtem Haarwild:

Die Fleischuntersuchung kann unterbleiben, wenn

  • keine Merkmale festgestellt werden, die das Fleisch als bedenklich zum Genuss für den Menschen erscheinen lassen und
  • das Fleisch zum eigenen Verbrauch verwendet wird oder
    - unmittelbar an einzelne natürliche Personen zum eigenen Verbrauch
    abgegeben wird oder
    - das erlegte Haarwild unmittelbar nach dem Erlegen in geringen Mengen
    (Strecke eines Jagdtages) an nahegelegene be- oder verarbeitende Betriebe
    zur Abgabe an Verbraucher zum Verzehr an Ort und Stelle (Gastronomie)
    oder zur Verwendung im eigenen Haushalt (Wildeinzelhandel, Fleischerei)
    geliefert wird.

Eine Fleischuntersuchung hat somit in folgenden Fällen ausnahmslos zu erfolgen:

    • Fallwild /Unfallwild
    • erlegtes Wild, bei dem folgende bedenkliche Merkmale i.S. von Anlage 4 Nummer 1.3 Tier-LMHV festgestellt wurden:

1.3.1 abnormen Verhaltensweisen oder Störungen des Allgemeinbefindens;

1.3.2 Fehlen von Anzeichen äußerer Gewalteinwirkung als Todesursache (Fallwild);

1.3.3 Geschwülsten oder Abszessen, wenn sie zahlreich oder verteilt in inneren Organen oder in der Muskulatur vorkommen;

1.3.4 Schwellungen der Gelenke oder Hoden, Hodenvereiterung, Leber- oder Milzschwellung, Darm- oder Nabelentzündung, bei Federwild Entzündung des Herzens, des Drüsen- oder Muskelmagens;

1.3.5 fremdem Inhalt in den Körperhöhlen, insbesondere Magen- und Darminhalt oder Harn, wenn Brust- oder Bauchfell verfärbt ist;

1.3.6 erheblicher Gasbildung im Magen- und Darmkanal mit Verfärbung der inneren Organe;

1.3.7 erheblichen Abweichungen der Muskulatur oder der Organe in Farbe, Konsistenz oder Geruch;

1.3.8 offenen Knochenbrüchen, soweit sie nicht unmittelbar mit dem Erlegen in Zusammenhang stehen;

1.3.9 erheblicher Abmagerung;

1.3.10 frischen Verklebungen oder Verwachsungen von Organen mit Brust- oder Bauchfell;

1.3.11 Geschwülste oder Wucherungen im Kopfbereich oder an den Ständern bei Federwild;

1.3.12 verklebten Augenlidern, Anzeichen von Durchfall, insbesondere im Bereich der Kloake, sowie Verklebungen und sonstigen Veränderungen der Befiederung, Haut- und Kopfanhänge sowie Ständer bei Federwild;

1.3.13 sonstigen erheblichen sinnfälligen Veränderungen außer Schussverletzungen.

1.3.14 Haarwild ohne bedenkliche Merkmale, das vom behandelnden Betrieb (z.B. Fleischerei) nicht direkt an den Endverbraucher zur Verwendung im eigenen Haushalt (z.B. Gastronomie, Großküchen) abgegeben wird

1.3.15 Haarwild ohne bedenkliche Merkmale, das an den Wildgroßhandel abgegeben wird (Untersuchung dort).

 

Eine Trichinenuntersuchung hat ausnahmslos bei allen zur Verwertung vorgesehenen Wildschweinen zu erfolgen!

Grundsätzlich hat nach jeder Untersuchung eine Beurteilung und Kennzeichnung zu erfolgen! Die Kennzeichnung "Trichinenfrei" kann gem. § 2b Abs. 2 Satz 3 Nr. 2 Tier-LMHV für den eigenen häuslichen Verbrauch bzw. § 4 Abs. 3 Satz 3 Nr. 2 Tier-LMHV für die Abgabe kleiner Mengen

schon anlässlich der Probenentnahme und vor Abschluss der Untersuchung erfolgen, wenn gewährleistet ist, dass der Verfügungsberechtigte erst nach Abschluss der Untersuchung (normalerweise 4 Stunden) über das Fleisch verfügt. Es ist insbesondere darauf hinzuwirken, dass alles Fleisch, welches nicht direkt an den Endverbraucher abgegeben wird, ordnungsgemäß gekennzeichnet wird.