Aktuelle Völkerverluste in Niedersachsen erfordern eine noch aufmerksamere Kontrolle des Varroabefalls der zu überwinternden Bienenvölker


Dr. Otto Boecking
Niedersächsisches Landesinstitut für Bienenkunde
Herzogin-Eleonore-Allee 5
29221 Celle


In den letzten Wochen mehren sich die Meldungen über umfangreiche Völkerverluste in einzelnen Imkereien in Niedersachsen. Offensichtlich ist das Phänomen nicht nur auf Niedersachsen begrenzt. Aus dem ganzen Bundesgebiet werden Völkerverluste von Berufs- und von Freizeitimkern beklagt. Vielerorts haben darüber hinaus eventuell einzelne Imker den Verlust ihrer eingewinterten Völkern noch nicht bemerkt. Die Ursachen für dieses frühzeitige Absterben der Völker ist sicherlich nur durch verschiedene ungünstig zusammentreffende Faktoren zu erklären. Die in diesem Zusammenhang im Bieneninstitut Celle untersuchten Proben weisen aber alle auf hohe Varroa-Befallszahlen der Bienenvölker hin. Offensichtlich ist in diesen Fällen die Varroa-Bekämpfung, bezogen auf die Schadschwelle, zu spät oder nicht erfolgreich durchgeführt worden. Auch die Ausbildung der Resistenz der Milben gegenüber eingesetzten Akariziden kann dazu beigetragen haben. Es ist davon auszugehen, dass ein erheblicher Teil der verbliebenen Völker jetzt Gefahr läuft auch abzusterben. Insbesondere wird vielerorts ein erheblicher Re-Invasionsdruck von Milben aus zusammenbrechenden Völkern in gesunde Völker hineingewirkt haben. Der hohe Verlust an Varroa-geschädigter Brut, gefolgt vom Ausbleiben der nachrückenden Bienen, wird zukünftig in der für ein Bienenvolk notwendigen ausgeglichenen Altersstrukturierung fehlen. Die in diesen Völkern aufgezogenen Bienen gehen geschädigt in den Winter. Diese Schädigung der Winterbienen, oftmals verstärkt durch Varroa-assoziierte Viren, wird zu einem steten Bienenabgang im Winter führen.

Das Bieneninstitut Celle empfiehlt nachdrücklich allen Imkern - selbst nach erfolgreicher Entmilbung in den zurückliegenden Monaten - jetzt eine Überprüfung des aktuellen Milbenbefalls der Völker über die Gemülluntersuchung vorzunehmen. Sollte der natürliche Milbenbefall über einer Milbe täglich liegen empfehlen wir eine Winterbehandlung der Völker mit Milchsäure (15 % ad us. Vet.) oder Perizin® vorzunehmen.

Es wird aber auch ausdrücklich darauf hingewiesen, die Völker nicht mit einer Vielzahl verschiedener Präparate und wiederholten Behandlungen zu belasten. Jegliche Varroa-Behandlung steht immer im Spannungsgefüge einer gewünschten Milbenabtötung und einer potentiellen Schädigung der Bienen.

Weitere Informationen zum Thema:

BOECKING, O.; VON DER OHE, W.
Varroa-Bekämpfungskonzept für Niedersachsen
Das Bieneninstitut Celle informiert (15)