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Transparenz bei Bahnausbau notwendig

Hauptverwaltungsbeamten und Landrat brechen Sitzung mit Bahn ab

CELLE (lkc). Landrat Axel Flader, Celles Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge, sowie die Bürgermeisterinnen der Stadt Bergen, Claudia Dettmar-Müller, und der Gemeinde Südheide, Katharina Ebeling, und Eschedes Bürgermeister Heinrich Lange haben am Mittwochnachmittag eine Infoveranstaltung der Deutschen Bahn zum Trassenausbau vorzeitig verlassen, weil sehr deutlich wurde, dass nicht alle Details, die für einen offenen und ehrlichen Austausch notwendig sind, transparent dargestellt werden.

So haben es die Vertreter der Deutschen Bahn mehrfach und trotz sehr intensiver Nachfrage verweigert, die Grundlagen und Auswertungen zur Kosten-Nutzen-Analyse offenzulegen. Diese ist aber zentral, um Entscheidungskriterien zu bewerten. „Die Bahn trägt seit Wochen Kosten-Nutzen-Analysen als Grundlage für eine Trassenempfehlung vor sich her, scheint aber nicht bereit zu sein, die Grundlagen und Herleitung für diese Einschätzungen mitzuteilen. Das lässt bei mir zunehmend Zweifel daran aufkommen, dass die Bahn überhaupt offen an die Trassenempfehlung herangeht. Mein derzeitiger Eindruck ist ein anderer“, sagt Celles Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge.

Bei der Veranstaltung wurde ebenfalls deutlich, dass ein wichtiger Faktor in der Berechnung gar nicht berücksichtigt wird: der Eingriff in unberührte Naturräume, die von einer möglichen Trasse durchschnitten werden. „Wir bitten dringend darum, dass der Faktor „Eingriff in Umwelt und Natur“ in eine Kosten-Nutzen-Analyse Berücksichtigung findet“, lautet die eindringliche Forderung von Landrat Axel Flader. „Schließlich werden bei der Trassenvariante durch den Landkreis Celle nicht nur zusammenhängende Waldbereiche zerschnitten, sondern auch großflächig Bäume in unberührter Natur gefällt“, so Flader weiter. „Für uns ist wichtig, dass die Bahn alle Fakten auf den Tisch legt und endlich Transparenz und Vergleichbarkeit herstellt. Nur so können wir feststellen, ob unsere sachlichen und fachlichen Argumente in der Kosten-Nutzen-Analyse berücksichtigt werden“.

Mit Befremden haben die Hauptverwaltungsbeamten Presseberichte unter anderem des NDR zur Kenntnis genommen, nach denen die Bahn schon eine Vorfestlegung auf eine Trassenvariante vorgenommen hat, die quer durch den Landkreis Celle verlaufen soll. „Ein Ausbau im vernünftigen Zeitrahmen kann nur mit der Bevölkerung und Verantwortlichen auf der Landes- und Kommunalebene passieren. Die Wünsche aus der Region sind aber andere als die an denen die Bahn offenbar arbeitet“, sagt Claudia Dettmar-Müller, Bürgermeisterin der Stadt Bergen.

„Uns wurden Veranstaltungen zur Information der Öffentlichkeit in Aussicht gestellt. Bisher haben wir auf unsere Anfrage keine Antwort erhalten, auch gestern nicht. Im Gegenzug soll die Vorplanung zu Ende gebracht werden und damit endet die Möglichkeit zur Beteiligung. Das darf nicht sein. Die Bevölkerung muss informiert werden“, fordert Bürgermeister Heinrich Lange.

Landrat und Oberbürgermeister werden jetzt in Abstimmung mit den übrigen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern einen Brief an Verkehrsminister Dr. Volker Wissing und Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies verfassen, in dem Sie sie Ihre Bedenken zum Ausdruck bringen. „Wir möchten konstruktiv an einer Lösung mitarbeiten, aber wir benötigen dafür alle Fakten und das sichere Wissen, dass unsere Argumente in diesem Verfahren auch berücksichtigt werden“, sagt die Bürgermeisterin der Gemeinde Südheide Katharina Ebeling.