Querschnittsthema Integration

Historisch betrachtet ist das Thema Migration für Europa und damit für Deutschland immer von großer Bedeutung gewesen. Deutschland war selten nur Ein- oder Auswanderungsland allein. Im 19. Jahrhundert dominierte zunächst die Auswanderung nach Amerika, ehe infolge der Industrialisierung wiederum zahlreiche Arbeitskräfte nach Deutschland einwanderten. Der Zweite Weltkrieg war von Deportationen, Zwangsarbeit und dem Holocaust sowie von Flucht und Vertreibung geprägt. Seit der Nachkriegszeit kam es zu unterschiedlichen Zuwanderungsbewegungen z. B. durch Arbeitsmigration sowie durch (Spät‑)Aussiedlerinnen und ‑siedler, durch Kriegsflüchtlinge aus Ex-Jugoslawien und durch Asylsuchende aus unterschiedlichen Ländern. Viele von Ihnen fanden auf Dauer eine Heimat in Deutschland und haben sich in unsere Gesellschaft integriert, auch wenn es kein Konzept zur Integration von Ausländerinnen und Ausländern gab.

Dies änderte sich Ende der 90er Jahre, als deutlich wurde, dass Segregation und fehlende Sprachkenntnisse zu sozialen Brennpunkten und gesellschaftlichen Problemen geführt hatten. Seit dem Inkrafttreten des Zuwanderungsgesetzes und der daraus resultierenden Verabschiedung des Nationalen Integrationsplanes im Sommer 2007 ist die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in unsere Gesellschaft ein Schlüsselthema von Bund, Ländern und Kommunen.

Die Zuwanderung einer großen Zahl von Asylsuchenden und Flüchtlingen in einem kurzen Zeitraum seit dem Sommer 2015 hat der Thematik Migration und Integration eine neue Relevanz verliehen und große Herausforderungen für viele gesellschaftliche Bereiche mit sich gebracht. Integration wird seit diesem Zeitpunkt nicht mehr nur als Angebot für Ausländerinnen und Ausländer mit einem auf Dauer ausgelegten Aufenthaltsstatus gedacht. Vielmehr wird Integration als Forderung formuliert, die sich auch ganz konkret an neuzugewanderte Flüchtlinge richtet. Diese Veränderung hat sehr viele positive Aspekte mit sich gebracht, wie z.B. die Installierung von Deutschlernangeboten für Geflüchtete ohne Bleibeperspektive.

Wichtig für unsere Arbeit ist die Feststellung, dass Integration auch weiterhin ein mittel- bis langfristiger Prozess ist, der mitunter mehrere Generationen umfasst und sich auf verschiedene kulturelle, soziale und wirtschaftliche Aspekte bezieht. Dieser Prozess erfordert Veränderungen und Bemühungen sowohl in der Gruppe der Zugewanderten als auch in der Aufnahmegesellschaft. Integration betrifft alle Bereiche unserer Gesellschaft – sie ist und bleibt daher ein Querschnittsthema.

 

Entwicklung des Sachgebiets Migration und Integration in der Landkreisverwaltung

Der Landkreis Celle hat 2008 erstmalig eine Stelle für Integrationsangelegenheiten eingerichtet. Im Rahmen des Aufbaus des neuen Sachgebiets wurde ein Handlungskonzept Integration erstellt, dessen Umsetzung 2010 vom Kreistag beschlossen wurde: 

Handlungskonzept Integration

Seit 2014 wird die Stelle als Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe vom Land Niedersachsen gefördert. Das Land unterstützt mit dieser Förderung die Integrationsbemühungen auf Kreisebene. Aufgrund der Flüchtlingszuwanderung und den damit verbundenen notwendigen Aktivitäten wurde die Einrichtung einer weiteren Stelle beschlossen, die Ende 2016 besetzt wurde.

Seit dem Anfang 2017 wird die Arbeit des Teams durch einen „Kommunalen Bildungskoordinator für Neuzugewanderte“, und seit Oktober 2017 durch eine „Regionale Sprachförderkoordinatorin“ unterstützt. Die neugeschaffenen Stellen werden mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur (MWK) gefördert. Dies spiegelt sich auch in unserer Aufgabenwahrnehmung wider.

Von 2008 bis 2010 war das Sachgebiet Teil des Amtes für Gleichstellung und Integration, bevor es von 2010 bis Ende 2016 dem Ordnungsamt angegliedert wurde. Heute ist das Team Migration und Integration organisatorisch dem Sozialamt zugeordnet.

 

 

 
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