Skabies/Krätze

Merkblatt des Gesundheitsamtes

Krätze – was ist das?

Krätze, medizinisch auch Skabies genannt, ist eine ansteckende Hautkrankheit beim Menschen, verursacht durch Krätzmilben.

Diese Milben sind nur 0,3 – 0,5 mm groß und somit mit dem bloßen Auge kaum erkennbar.

Sie graben sich in die oberste Hautschicht des Menschen ein, wo die Weibchen während ihrer Lebensdauer von etwa 4 – 8 Wochen täglich mehrere Eier legen. Die Reaktion auf Milbenausscheidungen äußert sich durch Hautreaktionen wie z.B. Juckreiz.

Besonders dort, wo viele Menschen gemeinsam auf engem Raum zusammenleben, kann es zu Krankheitshäufungen kommen (z.B. Gemeinschafts- und Pflegeeinrichtungen).

 

Infektionsweg

Direkt von Mensch zu Mensch ist die gewöhnliche Krätze nur dann ansteckend wenn ein enger, großflächiger Haut-zu-Haut-Kontakt über ein Zeitraum von 5-10 Minuten (z.B. enges Kuscheln, Hilfe bei der Körperpflege, gemeinsames Schlafen in einem Bett, Geschlechtsverkehr etc.) besteht.

Kurze Berührungen wie Händeschütteln oder Umarmungen sind in der Regel kein Übertragungsrisiko.

Ausnahme ist die Scabies crustosa. Diese Form ist sehr ansteckend!

Da Krätzmilben auf Gegenständen wie Bettwäsche, Decken, Kleidungsstücken, Handtüchern o.ä. für ca. 48 Stunden überleben können, ist theoretisch auch dadurch eine Übertragung möglich, jedoch unwahrscheinlich.

 

Erscheinungsbild und Symptome der Krätze

Als Reaktion auf die Milbenausscheidungen können Hautreaktionen wie Juckreiz und Brennen der Haut auftreten. Insbesondere bei starker Bettwärme sind die Symptome sehr ausgeprägt und können ein Zeichen für Krätze sein. Befallen sind vor allem Zwischenräume von Fingern und Zehen, Handgelenke und Knöchel, Achseln, Ellenbogen, Umgebung der Brustwarzen und des Bauchnabels, sowie der Genitalbereich. Bei Säuglingen und Kleinkindern können aber auch Kopf, Gesicht oder Hand- und Fußflächen betroffen sein.

Typisch sind die Milbengänge in der Haut, die dunkel erscheinen können. Mit dem bloßen Auge sind diese aber schwer erkennbar. Die Haut reagiert möglicherweise nach einiger Zeit mit entzündlichen Veränderungen bis hin zu stecknadelkopfgroßen Bläschen, die sich durch das häufige Kratzen eitrig entzünden können. Für gewöhnlich wird das Allgemeinbefinden nicht wesentlich beeinträchtigt – bis auf den zum Teil erheblichen Juckreiz. Dieser kann sogar nach einer Ausheilung noch länger bestehen bleiben.

 

Krankheitsausbruch und Dauer der Ansteckung

Bei einer ersten Ansteckung treten die ersten Symptome erst nach ca.  2 bis 5 Wochen auf, bei Wiederansteckung bereits nach wenigen Tagen.
Skabies ist also ansteckend, bevor Betroffene überhaupt die ersten Krankheitszeichen haben.
Unbehandelt verläuft die Krätze häufig chronisch.

 

Was ist zu beachten

Stellen Sie sich umgehend beim Arzt vor wenn die oben genannten Krankheitszeichen auftreten oder Sie den Verdacht auf Skabies haben.

Um Ansteckung zu verhindern, sollten Betroffene den engen Kontakt -insbesondere Hautkontakt- zu anderen Menschen vorübergehend vermeiden. Nach einer äußeren Behandlung oder 24 Stunden nach Einnahme der Tablette sind Erkrankte nicht mehr ansteckend. Bei Scabies crustosa ist die Behandlung gegebenenfalls öfters zu wiederholen. Der Juckreiz kann auch nach der Therapie noch anhalten.

 

Medizinische Behandlung der Krätze

Die Behandlung muss von einem (Haut-)Arzt durchgeführt und überwacht werden. Auch in der Haus-/ Wohngemeinschaft lebende Personen sind zu untersuchen und ggf. mitzubehandeln.

Es stehen mehrere äußerlich anwendbare Präparate (Cremes, Salben, Sprays) zur Verfügung, wobei die Gebrauchsanleitungen streng zu beachten sind, um mögliche Rückfälle zu vermeiden. In bestimmten Fällen wird auch mit Tabletten behandelt. Auskünfte dazu erteilen behandelnde Ärzte und Apotheker.

 

Beachtung von hygienischen Maßnahmen

für den häuslichen Bereich

Wechseln Sie täglich Kleidung, Wäsche, Bettzeug und Handtücher und waschen Sie sie bei 60°C, dabei werden die Milben sicher abgetötet. Gegenstände und Textilien (Schuhe, Plüschtiere etc.) die nicht gewaschen oder gereinigt werden können sind bei 21°C in verschlossenen Plastiksäcken oder in Folie eingeschweißt für mindestens 72 Stunden trocken zu lagern.

Alternativ können möglicherweise kontaminierte Gegenstände auch für 2 Stunden bei -25°C gelagert werden. Achtung: Handelsübliche Gefriereinrichtungen kühlen oft nur auf -18°C!

Wenn Betroffene mit bloßer Haut auf mit Polstermöbel, Sofakissen und textilen Fußbodenbelägen gelegen haben, sind diese für mindestens 48 Stunden nicht zu benutzen oder mit einem starken Staubsauger gründlich abzusaugen (Beutel danach entsorgen).

Gründliches Reinigen anderer Gegenstände wie Kämme, Bürsten o.ä. ist ebenfalls wichtig.

(Bei Scabies crustosa sind strenge Maßnahmen anzuwenden!)

für Gemeinschaftseinrichtungen (Schulen, Kindergärten, Pflegeeinrichtungen u. a.)

Hier gelten besondere Hygieneregeln, die laut § 36 IfSG in einem Hygieneplan festgehalten werden müssen.

 

Abschließender Hinweis

An Skabies erkrankte oder dessen verdächtige Personen dürfen Gemeinschaftseinrichtungen (z.B. Schulen und Kindergärten) nicht besuchen sowie keine Tätigkeiten ausüben, bei denen sie Kontakt zu den Betreuten haben (§ 34 IfSG). Eine Wiederzulassung ist erst gestattet, wenn nach ärztlichem Urteil (Attest) eine Weiterverbreitung der Krätze durch sie nicht mehr zu befürchten ist.

Nach § 34 (6) haben die Leitungen von Gemeinschaftseinrichtungen das Gesundheitsamt, unverzüglich zu benachrichtigen und krankheits- und personenbezogene Angaben zu machen.

Für Rückfragen stehen die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Celle gern unter Telefon 05141/916-5000 zur Verfügung.

Weitere Informationen zum Thema Skabies finden Sie auch auf folgenden Internetseiten:

http://www.rki.de/ (Infektionsschutz/Infektionsschutzgesetz/Gesetzestext

www.rki.de (Infektionskrankheiten A-Z, Skabies (Krätzmilbenbefall), RKI-Ratgeber

http://www.infektionsschutz.de/ (Skabies/Krätze)

 

(Bauer)
Amtsarzt                                                                                                            Stand: 11/2018