Fragen und Antworten

Begriffe rund um den Breitbandausbau und was sie bedeuten:

 

NGA-Netze

Next-Generation-Access-Netze (NGA-Netze) sind hoch performante Zugangsnetze, welche dazu geeignet sind, anspruchsvollste Breitbanddienste, wie bspw. HD-Übertragungen in Echtzeit oder symmetrische Unternehmensanwendungen zu ermöglichen. Dazu gehören aktuell Netze auf Basis von Glasfasertechnologie (FTTH), modernisierte Kabelnetze (HFC) sowie modernisierte Kupferdoppelader-Zugangsnetze (FFTC, FTTB). 1

 

FTTH

Fibre To The Home. Bei FTTH wird die Glasfaser bis zum Endkunden in das Haus bzw. die Wohnung direkt verlegt. Dort werden die Signale von spezieller Hardware umgewandelt und über Netzwerkverkabelung weiterverteilt.1

 

FTTB

Fibre To The Building. Bei einem FTTB-Anschluss wird das Glasfaserkabel bis in das Gebäude des Endkunden verlegt, bei Mehrfamilienhäusern oftmals bis in den Keller. Von dort an wird entweder wie bei FTTC über die Kupferleitungen ein (V)DSL-Signal bis in die einzelnen Wohnungen gesendet oder über einen Netzwerkanschluss die Wohnung direkt versorgt.1

 

FTTC

Fibre To The Curb oder auch Fibre To The Cabinet. Bei dieser Variante wird die Glasfaser nicht bis zum Hauptverteiler, sondern weiter bis zum Kabelverzweiger (KVz) verlegt. Dort wird das Lichtsignal dann durch einen Splitter in ein elektrisches und von einem DSLAM in ein DSL-Signal umgewandelt. Vom KVz aus gelangt dieses über das Kupferkabel zum Nutzer.1

 

Open Access Netz

Ein Open Access Netz steht allen Providern marktoffen und diskriminierungsfrei zur Verfügung. Der Betreiber des Netzes kann mehrere Dienstanbieter auf sein Netz lassen, aus denen der Endkunde frei auswählen kann. 1

 

Passives Netz

Ein passives Netz ist ein Breitbandnetz ohne aktive Komponenten. Es umfasst in der Regel Bauinfrastruktur, Leerrohre, unbeschaltete Glasfaserleitungen und Straßenverteilerkästen. 1

 

Lichtwellenleiter (LWL)

Bei Lichtwellenleitern (LWL) handelt es sich um einen Oberbegriff für Medien, die zur Übertragung von Licht dienen. Sie bestehen je nach Anwendung aus Mineralglas (meist Kieselglas bzw. Quarzglas) oder organischem Glas (Kunststoff). Die Datenübertragung erfolgt optisch in Form von Licht. Als Strahlungsquelle kommen Laser und bei kurzen Distanzen auch Leuchtdioden zum Einsatz. Glasfaserkabel werden zum Übertragen hoher Datenmengen genutzt, da diese auch auf große Entfernungen kaum Leitungsverluste aufweisen. Zum Anschluss der Teilnehmer sind die Verfahren Point 2 Point und Point to Multipoint gebräuchlich. Reine Glasfaseranschlüsse werden auch als FTTH-Anschlüsse bezeichnet. 1

 

Koaxialkabel

Über Koaxialkabel können Rundfunkdienste übertragen werden. Es wird auch häufig als TV-Kabel bezeichnet. Es wird für die Bereitstellung von Kabelfernsehen genutzt und dient ebenfalls das Medium zu Bereitstellung von Breitbandinternetzugängen. Früher wurde auch für Ethernet-Netzwerke ein Koaxialkabel verwendet. 1

 

ADSL

Asymmetric Digital Subscriner Line, eine asymmetrische Datenübertragung mit Datenübertragungsraten von bis zu 8 Mbit/S im Down- und 1 Mbit/S im Upstream. 1

 

VDSL2

Durch spezielle Modulationsverfahren und einer Erweiterung des verwendeten Frequenzspektrums wird die Übertragungsrate bei VDSL2 auf bis zu 50 Mbit/s geseigert. Allerdings funktioniert die Übertragung mit solch hohen Datenraten nur über relativ kurze Distanzen. Daher wird VDSL2 oftmals nicht über den Hauptverteiler, sondern von überbauten Kabelverzweigern mit Outdoor DSLAM bereitgestellt. 1

 

Vectoring

VDSL2-Vectoring ist eine Übertragungstechnik über die Telefonkupferleitungen im FTTC-Netz, die gegenüber gewöhnlichen VDSL2 eine Übertragung höherer Bandreite (100 Mbit/S statt 50 Mbit/S) bei größerer Reichweite (100 Mbit/S bis zu 200 m, 50 Mbit/S bis zu 600 m) an die Endkunden ermöglicht. Im Detail verringert das Verfahren bei der Signalüberragung auftretende Störungen, die durch Übersprechen zwischen benachbarten Teilnehmeranschlussleitungen entstehen. Dadurch kann die Übertragungsrate, insbesondere in ungeschirmten Kabelbündeln üblicher Telefonnetze und mit vielen VDSL-Teilnehmern verarbeitet werden. 1

 

Teilnehmeranschlussleitung (TAL) „Letzte Meile“

Die Teilnehmeranschlussleitung (TAL) stellt die Verbindung zwischen dem Hauptverteiler und dem Endkunden dar. Fast immer wird sie dabei über einen Kabelverzweiger (KVz) geführt, wo die Leitungen vom Hauptverteiler mit denen zum Endkunden, der sogenannten letzten Meile, verschaltet werden. 1

In den verschiedenen DSL-Netzen wird hierfür eine Kupferleitung verwendet. Aufgrund der physikalischen Eigenschaften dieser Kupferleitungen können nur begrenzte Datenraten gewährleistet werden. Als Shared Medium wird zudem die Datenrate für den einzelnen Teilnehmer unter Umständen weiter vermindert.

 

Hauptverteiler (HVt)

Der Hauptverteiler (HVt) ist der zentrale Verteiler in einem Anschlussbereich und wird daher oft auch als Vermittlungsstelle bezeichnet. Am Hauptverteiler werden außer den Telefonanschlüssen auch DSL-Anschlüsse und Festverbindungen geschaltet. In Deutschland gibt es rund 7.900 HVt. In den Gebäuden der HVt sind neben der noch vorhandenen Vermittlungstechnik und den Übergängen und den Aggregationsnetzen unter anderem auch die DSLAMs verbaut.1

 

Kabelverzweiger (KVz)

Der Kabelverzweiger (KVz) ist ein Schaltschrank, in dem die Kupferkabel der Teilnehmeranschlussleitungen verbunden werden. Im KVz kommt keine aktive Technik zum Einsatz, sondern lediglich Klemmleisten, in welche die einzelnen Kabeladern aufgelegt verschaltet werden. Die Kabel, die in einem KVz zusammenlaufen, sind zum einen die Verzweigungskabel, welche mit dem Hausanschluss verbunden sind, und zum anderen die Hauptkabel, welche zum HVt führen. Bei einem sogenannten KVz-Überbau wird der Kabelverzweiger mit aktiver Technik und einer Glasfaserzuleitung erweitert, so dass die (V)DSL-Vermittlung vom HVt näher zum Teilnehmer herangeführt wird. Die aktive Technik befindet sich dann im nebenstehenden Outdoor-DSLAM. 1

 

Backbone

Als Backbone werden leistungsstarke Kernbereiche eines Netzwerks bezeichnet. In der Regel handelt es sich dabei um Glasfasertrassen, die kleinere Netze und Systeme verbinden. Ein Backbone kann Datenraten von tlw. mehreren Gigabit pro Sekunde übertragen.1

 

DSLAM

Der DLSAM (Digital Subscriber Line Access Multiplexer) ist die DSL-Vermittlungsstelle und bildet die Gegenstelle zum DSL-Modem. Wenn ein DSL-Modem die Verbindung zum Internet aufbaut, handelt es auf Basis der Leitungsqualität (anhand der Parameter Frequenz, Trägerbelegung, Signalstärke und externer Störungen) mit dem DSLAM die verfügbare Übertragungsrate aus.1

 

Dark Fibre

Dark Fibre (dt. „dunkle Faser“) ist eine Lichtwellenleiter-Leitung, die ohne drauf laufende Dienste verkauft oder vermietet wird. Der Mieter muss seine eigene Infrastruktur installieren und seine Dienste selbst aufsetzen. 1

 

Shared Medium

Als „Shared Medium“ werden Zugangstechnologien bezeichnet, in denen alle Teilnehmer auf die gesamte Bandbreitenkapazität im Zugangsnetz gleichzeitig zugreifen. Je mehr Nutzer sich in einem Netzabschnitt oder einer Funkzelle befinden, umso geringer fällt die verfügbare Übertragungsrate für den einzelnen Teilnehmer aus. Um eine zu hohe Überlastung einzelner Netzabschnitte zu vermeiden, besteht die Möglichkeit, das Zugangsnetz durch den Aufbau von weiteren Zugangspunkten (Funkzellen oder Verteilern) zu segmentieren. Zu den Shared Medium-Netztopologien zählen Mobilfunknetze, Satellitenzugänge, aber auch Breitbandkabelnetze. 1

 

DOCSIS

DOCSIS (Data Over Cable Service Interface Specification) ist ein Standard für Schnittstellen von Kabelmodems, mit denen auf Basis der Nutzung von Breitbandkabelnetzen die Übertragung der Daten spezifiziert ist. Der zunächst in Deutschland großflächig eingesetzte Standard war DOCSIS 2.0 mit Übertragungsraten von 32 Mbit/S. Heute wird in Kabelnetzen weitestgehend DOCSIS 3.0 eingesetzt. Damit sind Bandbreiten von bis zu 400 Mbit/S technisch realisierbar. […] Der Nachfolgestandard DOCSIS 3.1 wird Bandbreiten im Gigabit-Bereich bereitstellen können. Allen DOCSIS-Varianten ist gemein, dass die gesamte verfügbare Bandbreite im Kabelnetz auf alle darüber angeschlossenen Nutzer aufgeteilt wird.1

 

Homes passed

Bei Homes passed wird die erforderliche Infrastruktur (meistens moderne Glasfasernetze, ggf. auch im Koaxialkabelnetz) entsprechend der Bedarfsstellen bereits im Netz verlegt. Bei Glasfasernetzen bedeutet dieses, dass für jede Bedarfsstelle bereits die erforderliche Glasfaser vor der Bedarfsstelle in der Straße verlegt worden ist. Dadurch wird ein späterer Anschluss vereinfacht. Homes passed wird bei den Bedarfsstellen angewendet, welche in der Vorvermarktung oder bei der Netzerrichtung noch keinen Hausanschluss gebucht haben.

 

Hausübergabepunkt (HÜP)/Gebäudeeinführungspunkt

Einrichtung, um ein LWL-Kabel in ein Gebäude einzuführen und so den Übergang von Außen- auf Innenkabel zu ermöglichen.1

Hier finden Sie weitergehende Informationen zum HÜP.

 

Aufgreifschwelle

Unter der Aufgreifschwelle wird die Versorgung mit Breitbandinternet verstanden, unterhalb welcher eine staatliche Förderung zur Verbesserung der Versorgung zulässig ist. Diese liegt derzeit bei 30 Mbit/S.

Auf Basis der „Leitlinien der EU für die Anwendung der Vorschriften über staatliche Beihilfen im Zusammenhang mit dem schnellen Breitbandausbau (2013/C 25/01)“ ergibt sich das Kommissionsziel, eine flächendeckende Breitbandversorgung von mind. 30 Mbit/S zu schaffen. Gleichzeitig wird dort festgestellt, dass ein staatlich geförderter Ausbau nur in Gebieten erfolgen darf, welche eine Versorgung unterhalb dieser Zielmarke aufweisen.

 

Weißer Fleck

Bedarfsstellen, welche auf Basis der Durchführung eines Markterkundungsverfahrens derzeit als unterversorgt gelten und damit mit einer Bandbreite von unter 30 Mbit/S versorgt werden und in den nächsten Jahren durch eigenwirtschaftlichen Ausbau privater Anbieter auch nicht über diese Aufgreifschwelle kommen.

 

Grauer Fleck

Bedarfsstellen, welche aktuell mit einer Bandbreite zwischen 50 Mbit/S und 1.000 Mbit/S versorgt sind. Als graue Flecken werden diese bezeichnet, da das vormalige Bundesregierungsziel einer flächendeckenden Versorgung von 50 Mbit/S bis 2018 zu Gigabit-Netzen bis 2025 erweitert worden ist. Eine Förderung zur Erreichung der Gigabitfähigkeit in diesen Bereichen ist jedoch aufgrund der geltenden Aufgreifschwelle von 30 Mbit/s noch nicht möglich.

 

Schwarzer Fleck

Bedarfsstellen, welche aktuell bereits mit einem Gigabit-Anschluss versorgt sind. Hierzu zählen bspw. auch die Koaxial-Kabelschlüsse, da diese in Zukunft gigabitfähig werden.

 

Trenching

Bei Trenching handelt es sich um mindertiefe Verlegeverfahren im Gegensatz zum konventionellen Tiefbau. Es wird ein Schlitz in den Straßen-, Radweg- oder Gehwegkörper oder aber in unbefestigte Flächen gefräst, in welche  die Microrohre eingelegt werden. Im Anschluss wird dieser Schlitz direkt wieder verdichtet. Die Tiefe des Schlitzes hängt von der jeweiligen Trenching-Methode ab.

Im nachfolgenden Video erläutert Vodafone Trenching-Verfahren:

https://www.youtube.com/watch?v=PkOwTBZ743Y

 

Einblasen

Als Einblasen wird die Installation der einzelnen LWL-Fasern in die bereits verlegten Microrohre mittels Druckluft bezeichnet.

 

Fußnote 1: Kommunaler Breitbandausbau in Deutschland - Grundlagen und Empfehlungen, atene KOM GmbH, 2017.