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Landkreis Celle sieht erhebliche Nachteile bei einem stadteigenen ÖPNV

Mehrkosten und Doppelstrukturen wären die Folge

Celle (lkc). Der Landkreis Celle nimmt die aktuellen Überlegungen der Stadt Celle, den öffentlichen Personennahverkehr ab 2035 in eigener Trägerschaft zu organisieren, zur Kenntnis. Der Landkreis sieht sich in der Verantwortung, auf wesentliche Aspekte hinzuweisen, die in der bisherigen Debatte noch nicht ausreichend berücksichtigt wurden, sodass die Stadtpolitik eine abgewogene Entscheidung treffen kann.

  • Mehrkosten in Millionenhöhe

Eine eigenständige kommunale Aufgabenträgerschaft würde für die Stadt Celle erhebliche Mehrkosten verursachen. Konservativen Schätzungen des Landkreises zufolge ist mit jährlichen Zusatzbelastungen von rund 5 Millionen Euro zu rechnen. Beim Landkreis würde die Aufgabentrennung zu keinen nennenswerten Einsparungen führen, weil Busse und Personal – siehe unten zum Schülerverkehr – weiter vorgehalten werden müssen.

  • Belastungen und Qualitätseinbußen im Schülerverkehr

Die Stadt Celle beabsichtigt nach den aktuell vorliegenden Informationen, die Zuständigkeit für den Schülerverkehr nicht zu übernehmen. Der Landkreis wäre damit weiterhin verpflichtet, eine eigene Busflotte vorzuhalten, die für den Schülerverkehr eingesetzt werden müsste. Die heute bestehenden Synergien zwischen Schüler- und Stadtverkehr entfielen zu einem großen Teil, was die Planung für beide Seiten erheblich aufwendiger und teurer machte. Schülerinnen und Schüler müssten zudem mit deutlich mehr Umstiegen rechnen.

Mehr Umstiege, längere Wartezeiten und Zunahme der Verkehre

Die Anbindung Celles als Wirtschafts- und Tourismusstandort an die Fläche des Landkreises würde dauerhaft geschwächt. Fahrten aus dem Umland könnten künftig am Stadtrand enden. Pendlerinnen und Pendler müssten umsteigen und wären mit deutlich längeren Fahrzeiten konfrontiert. Ein stadteigenes ÖPNV-System der würde zu erheblich mehr Busverkehr in den Stoßzeiten in der Stadt Celle führen.

  • Teure Doppelstrukturen bei Ladeinfrastruktur und Personal

Derzeit wird für den Landkreis Celle eine moderne Ladeinfrastruktur für den ÖPNV aufgebaut. Die Stadt müsste bei einem zweiten Betreiber eine eigene Ladeinfrastruktur von Grund auf neu errichten – eine weitere erhebliche Investition.

  • Landkreis handelt bereits: Verbesserungen ab August 2026

Der Landkreis Celle macht deutlich, dass er die Anliegen der Stadt ernst nimmt und bereits konkret handelt. 

Zum 13. August ​2026 tritt eine umfassende Netzüberplanung in Kraft, die zahlreiche Verbesserungen für die Fahrgäste im Stadtgebiet bringt: Künftig fahren alle Linien über den Bahnhof, was eine klarere Orientierung und mehr Verlässlichkeit schafft. Durchgebundene Linien reduzieren Umstiege und sorgen für einen ruhigeren Fahrtablauf. Das Rendezvous-System am Schloss bleibt erhalten und wird mit festen Abfahrtszeiten und einer verlängerten Umstiegszeit von fünf Minuten gestärkt. Zudem wurden die Fahrzeiten an aktuelle Verkehrsverhältnisse angepasst und neue Haltestellen in Groß Hehlen und Boye eingerichtet.

Diese Maßnahmen zeigen: Der Landkreis ist bereit und in der Lage, gemeinsam mit der Stadt den ÖPNV weiterzuentwickeln. Eine Trennung der Strukturen löst Probleme nicht – sie verlagert und vervielfacht sie.

Das von der Stadt Celle in Auftrag gegebene Gutachten kommt in seinem Fazit zu folgendem Schluss: „Wir regen an, zur weiteren Konkretisierung des möglichen Vorhabens Gespräche mit dem Landkreis Celle zu führen. Nach eingehender Diskussion und abhängig von dem Ergebnis sollten Sondierungen zur Finanzierung stattfinden. Wir empfehlen zudem, rechtliche und finanzielle Fragestellungen vertieft zu prüfen, um eine Beschlussempfehlung aussprechen zu können.“